Wachstum ist ein Kennzeichen von Leben. Es ist natürlich, dass aus einem Samen ein Pflänzchen wächst und daraus eine ausgewachsene Pflanze wird. Es ist natürlich, dass ein Mensch nicht im Säuglings- oder Kinderstadium steckenbleibt. Es ist natürlich, dass ein lebendiger Organismus sich bewegt, verändert und zu seiner Gestalt heranwächst.
Wachstum im Leben als Christ bedeutet, dass unser Glaube stark und tief wird. Unser Charakter wird immer mehr vom Heiligen Geist geprägt und wir werden in unserer Lebensführung Jesus ähnlicher.
In Epheser 4,15 heißt es: „Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus.“
Unser geistliches Wachstum hat ein Ziel: Näher zu Jesus. Im Zusammenhang von Epheser 4 und 5 bedeutet das: Ein Christ, der geistlich wächst, ist nicht unreif oder unmündig, umhergetrieben und verführbar. Ein Christ, der geistlich wächst, erkennt Christus, prüft sein Wort und hält sich an ihn. Er erlebt die Kraft des Heiligen Geistes und das Zusammenwirken der geistlichen Gaben in der Gemeinde. Es ist kein Leben, das Kompromisse mit der Sünde macht, sondern ein Leben, das Gott ehrt. Kein Leben, das man verschläft, sondern wach und betend nach dem Willen Gottes führt.
Die Wirkung Gottes in unserem Leben hört nicht mit dem Tag der Bekehrung auf, sondern fängt dann erst richtig an. Die Bibel nennt das lebenslange, verändernde Wirken Gottes und Wachstum des Glaubens in uns „Heiligung“.
Ich selbst bin schon über 30 Jahre als Christ unterwegs, habe hunderte Predigten gehört und auch viele selbst gehalten. Ich freue mich, dass Gott mir in vielen Bereichen mehr Geduld, mehr Vertrauen und mehr Hoffnung geschenkt hat. Aber fertig mit dem Wachstum bin ich noch lange nicht. Ich habe viele gute Erfahrungen mit Jesus gemacht, aber das soll noch nicht alles sein. Ich bin noch nicht „ausgewachsen“. Ich will mehr Glauben, Liebe und Hoffnung. Ich will gegen Sünde in mir kämpfen und für Gerechtigkeit aufstehen. Ich will Fehler zugeben und um Vergebung bitten. Und es besser machen mit Gottes Hilfe. Paulus sagt in Philipper 3,12: „Nicht, dass ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm [dem himmlischen Ziel] aber nach, ob ich’s wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin.“
Wie geht es Dir mit dem Thema „geistliches Wachstum“? Ist es eher Dein Hoffnungsthema oder Dein Frustthema? Oder kein Thema? Ist ein gotterfülltes Leben mit starken Wurzen, reicher Frucht und viel Segen eine unerreichbare Illusion? Oder ist dieses Wachstum tatsächlich möglich und kann von mir gesucht und angestrebt werden?
Markus Schmidt schreibt in seinem Buch „Wachstum ist kein Zufall“ (SCM Verlag): „Wachstumsspezialisten haben nur Augen für Jesus und sind neben der Anbetung Jesu vor allem darauf fokussiert, mehr und mehr wie er selbst zu werden. Wachstumsspezialisten spüren eine Dringlichkeit, dass durch ihre eigene geistliche Reife mehr sichtbar wird, wir groß und gut Gott ist. Wachstumsspezialisten haben zunächst einmal ihr eigenes Wachstum vor Augen. Es geht ihnen darum, dass sie sich selbst im Sinne Jesus verändern.“
In der Natur kann man Wachstum nicht künstlich erzwingen. Aber es gibt Bedingungen, die es fördern und ermöglichen. Bei einer Pflanze ist es die Bodenbeschaffenheit, das Sonnenlicht, Luft und Wasser. Im geistlichen Leben gibt es ebenfalls Faktoren, die Wachstum beschleunigen und unterstützen. Zwei möchte ich hier herausgreifen: Das Leben mit der Bibel und die geistliche Gemeinschaft geprägt von Lehre und Mentoring.
Die Bibel ist Nahrung für unser Glaubenswachstum schlechthin. Jemand sagte mir diese Woche: „Seit ich mich im Glauben orientiere, lese ich morgens zuerst die Bibel, bevor ich durchs Handy scrolle.“ Und er erlebt Veränderung. Der Tag beginnt anders. Das Denken wird fokussiert und geprägt. Zuversicht und Glaubenskraft wächst. In Hebräer 5,13-14 steht: „Denn wem man noch Milch geben muss, der ist unerfahren in dem Wort der Gerechtigkeit, denn er ist ein kleines Kind. Feste Speise aber ist für die Vollkommenen, die durch den Gebrauch geübte Sinne haben, Gutes und Böses zu unterscheiden.“
Es lohnt sich, mir gute Speise zuzuführen und dann Wachstum zu erleben. Willst Du Deine Ernährung umstellen auf mehr gesunde Ernährung durch die Bibel? Was ist Dein nächster Wachstumsschritt in diesem Bereich? Willst Du hier etwas ändern? Willst Du diesen Entschluss jemandem mitteilen?
Geistliche Gemeinschaft geprägt von Lehre und Mentoring ist ein weiterer Wachstumskatalysator. Wachstum geschieht nicht alleine, sondern in der Gemeinschaft der Christen. Wir lieben, lehren und dienen einander. Gerade weil wir im Leben auch durch Konflikte gehen, innere Nöte und Scheitern erleben, brauchen wir die gegenseitige Ermutigung und Korrektur. Wir erinnern einander an Gottes Güte und seinen guten Plan. Wir gehen in die Reflektion und benennen Vorwärtsschritte des Glaubens. Raus aus der Opfermentalität, Resignation und Verantwortungslosigkeit. Hinein in die Freiheit der Kinder Gottes. Wenn Wachstum das Natürliche ist, kann ein Weg dahin sein, Wachstumshindernisse und Blockaden zu finden und anzugehen. Wenn die Blockaden fallen, kommt Wachstum. Ich kann Blockaden überwinden durch persönliche Schritte mit Gebet und Entscheidung vor Gott. Ich kann Blockaden überwinden durch intensive Arbeit in Seelsorge und Beratung. Oder ich wachse und überwinde durch Ermutigung, Feedback und Hilfe von guten Freunden und Glaubensgeschwistern. Wo willst Du als nächsten Schritt bewusst Feedback, Reflektion und Rat bei anderen Christen suchen? Wo willst Du anderen Hilfestellung bei ihrem geistlichen Wachstum ermöglichen? Gottes Geist wirkt in mir und auch in meinen Glaubensgeschwistern. Er will uns gemeinsam wachsen lassen und ans Ziel bringen.
Jochen Riemer